Ein großes Bedürfnis nach Bewegung und frischer Luft. Nach Ruhe. Mitten im Geschehen. Dabei aber trotzdem isoliert. Im Hintergrund.
Der Staub legt sich ein bisschen. Nach Sturm und Regen wird es Zeit für beruhigende Stille. Und wir machen Dinge, die wir vorher nicht gemacht haben. Verschwendete Worte, großzügig, als hätten wir jemals genug davon.
Ich glaube es nicht. An Worten, an den Richtigen, fehlt es eigentlich immer. Kennt ihr das Gefühl? Der vermeintlich perfekte Augenblick zu sagen, was gesagt werden muss und gesagt werden will und in der letzten Sekunde, kurz bevor es ernst wird und tatsächlich Mut aufgebracht werden müsste...ist es einfach alles weg. Jedes Wort, dass sich je in diesem Zusammenhang befunden hat, ist plötzlich nichts mehr, als die bloße Ansammlung von Buchstaben, die bei genauem Hinsehen keinerlei Sinn mehr zu ergeben scheinen.
Es sind diese Fast-Momente, die den Atem rauben. Die ein bisschen verrückter machen, als wir alle tatsächlich schon sind.
Diese Fast-Momente schreiben ein Leben. Ich verrate euch warum. Es sind genau diese Augenblicke, an die wir uns später ausnahmslos erinnern werden. Es sind diese Momente, die uns traurig oder wütend oder glücklich machen und uns schließlich dazu bringen irgendwann doch mutig genug zu sein, zu sagen, was Sache ist. Und irgendwie ein oder zwei komplette Momente hinzukriegen. Entscheidungen zu treffen.
Frische Luft. Ich denke schon wieder viel zu viel über viel zu schwere Themen nach. Was das genau bringt, hach, diese Frage stelle ich mir immer mal wieder. Beim Nachdenken über das Nachdenken fällt mir auf, dass es mich vor großen oder kleinen Dummheiten nie wirklich bewahrt hat. Es hat mich nicht klüger gemacht, bis jetzt zumindest nicht. Das Einzige, was ich mit Sicherheit davongetragen habe, ist eine mittelschwere Depression, die sich immer dann meldet, wenn ich es mal wieder nicht schaffe das Leben zu durchschauen.
Und das Gefühl der tiefen Einsamkeit, die Nostalgie vergangener gemeinsamer Momente, die sich von hinten anschleicht und niedermeuchelt.
Ich sammle die Zeit, in der ich mich unendlich traurig und/oder einsam fühle. Ich atme die Minuten ein, in denen ich mich vor Ohnmacht nicht rühren kann. Ich gebe mich dieser herzzerreißenden, völlig irrationalen Sehnsucht ganz hin, verschwinde in ihr, um schließlich bar und bloß wieder aufzutauchen und zu verstehen, dass es im Leben nichts gibt, das man jemals ganz verstehen wird. Ich lasse mich von meinen Gespenstern einholen, damit ich sie überwältigen kann. Keine ewigen Verfolgungsjagden.
Vielleicht ist es das Kreuz der leidlich intelligenten Menschen, dass sie das Denken nicht lassen können. Vielleicht ist es Glück, weil der Versuch, einen Sinn zu finden dem Ziel schon relativ nahe kommt. Vielleicht macht uns das aber auch bloß zu tieftraurigen, tragischen, sehnsüchtigen Menschen.
Im Grunde ist da nur eine Erkenntnis, die sich selbst wohl nie überholen wird: Das letztendlich nicht wichtig ist, ob wir das Leben als das begreifen, was es ist. Weil das ein sinnloses Unterfangen ist. Und wir im Strom der Zeit sowieso nie mehr sein werden als winzige Häufchen kosmischen Nichts.
Dienstag, 16. August 2011
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"Vielleicht ist es das Kreuz der leidlich intelligenten Menschen, dass sie das Denken nicht lassen können." Ja, diese Vermutung hatte ich auch schon. Ein kleiner Trost: Immerhin bist du klug genug um krank zu werden. (in letzter Zeit mein bevorzugtes Motto...)
AntwortenLöschenLiebste Grüße...
...und ich hab dich lieb :)
dankeschön :) <3
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