Donnerstag, 6. Januar 2011

Dead Wrong

Der Kaffee wirkt.
Ich fühle mich zum ersten Mal heute einigermaßen wach.
Obwohl ich als unantastbare Herrscherin über dieses Stückchen Land in einem wunderbar bequemen King-Size Bett nächtigen durfte, hat der Anfang des Tages mich komplett erschlagen.
Die Nacht war blöd. Komische Anrufe und sehr realitätsnahe Alpträume haben es mir sehr schwer gemacht. Realitätsnah heißt eigentlich, dass die Alpträume sich beängstigend real angefühlt haben, obwohl sie nicht danach aussahen. Ich hatte einfach schreckliche Panik. Und weil ich nach drei erfolglosen Versuchen einfach nicht mehr mutig genug war die Augen nochmal zu schließen, habe ich mit dem Zauberer von Oz und den Kings of Leon die Zeit bis zum Aufstehen umgebracht.
Das klingt vielleicht lächerlich und schön kindlich-naiv, dass ich mit meinen 18 Jahren Angst wegen ein paar gruseliger Traumbilder habe. Ihr habt die Erlaubnis mich dafür auszulachen, aber ich hatte dem überhaupt nichts entgegen zu setzen.
Mal ganz abgesehen davon und den nächtlichen Anrufen nagt seit gestern Abend ein anderes Gefühl an mir, dass mich verrückt macht. Ich sollte sagen verrückter. Ich fühle mich alleine. Das ist blödsinnig. Das Problem ist, meine Eltern sind noch bis morgen weg. Solange bin ich alleine mit dem unglaublichen Paar, und ich weiß nicht, ob es daran liegt das eben ein Paar meine Abendgesellschaft ist oder einfach daran, dass die Gespräche mit meinen Eltern wesentlich tiefgründiger, witziger, einfacher, länger und weniger uääh sind. Es ist einfach so, dass ich langsam genug habe von uäääh. Und ich weiß nicht, ich habe mich einfach furchtbar allein gelassen gefühlt gestern.
Ich bin eigentlich gerne allein. Ich bin ein großes Mädchen und mich einsam zu fühlen lehne ich strikt ab, das heißt, ich will es nicht sein und deshalb bin ich es meist nicht. Selbstbetrug funktioniert nunmal. Manchmal, nur ganz selten, wäre eine Schulter einfach sehr schön.
Genug davon.

Gestern beim Friseur gewesen. Großartig verändert hat sich nichts. Sollte es aber auch nicht. Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines " schiefen Ponys" (O-Ton Sarahli). Er ist etwas kürzer als gewohnt, aber mir gefällts und das ist schließlich und endlich Sinn der Sache. Ich weiß allerdings nicht genau, ob dieser Schnitt meine gottgegebene, amtlich attestierte Eleganz unterschreicht. Wenn nicht werde ich ab jetzt häufiger Kleider und ellenbogenlange Seidenhandschuhe tragen müssen. Als Ausgleich. Zum Glück bin ich ja noch um blonde Haare und Ultrakurzhaarschnitte drumrum gekommen. Bei genauem Betrachten meiner erneuerten Frisür ist mir aufgefallen, dass ich in letzter Zeit ein wenig viel Wert auf Äußerlichkeiten lege. Nicht, dass ich jetzt komplett oberflächlich betrachte, aber mehr als gewohnt. Eigentlich bin ich der Ansicht, dass weder das Äußere noch das Innere mehr gewogen werden sollte. Ich bin für die Kombination aus beidem und ein paar anderen Faktoren, die da irgendwie mit reinspielen.
Ich habe absolut keine Ahnung wie ich darauf gekommen bin.

Ich habe heute erfolglos versucht Biologie in meinen Kopf zu kriegen. Es war ja von Anfang an zum Scheitern verdammt, aber das es so hoffnungslos ist, hatte selbst ich nicht erwartet, obwohl ich weiß, wie es in meinem Kopf im Bezug auf die Proteinbiosynthese aussieht. Allein dieses Wort verursacht einen komischen Druck hinter meiner Stirn, ein schrilles Klingeln meiner Alarmglöckchen und einen leichten Anflug von Übelkeit. Bio ist einfach nicht mein Fach.
Ich bin ja jetzt auch offiziell kein Genie mehr, was vor allem daran liegt, dass meine Deutschkenntnisse offenbar nur noch "gut" sind. Keine Sorge, ich mache bloß Witze. Ich habe meinen Meister, pardon, meine Meisterin gefunden. Ein gutes hat es ja...ich kann mit der zerfleischenden Selbstkritik mittlerweile sogar umgehen. Darauf ein Hurra!.
Es klingt zynisch. Ist es aber nicht. Eine Lektion aus dem Sommer: Sich selbst zu zerfleischen bringt rein gar nichts außer schlechter Laune und depressiven Anwandlungen. Lösung: Selbstbetrug. Wahres Glück hängt ausschließlich davon ab, wie überzeugend man sich selbst einreden kann, glücklich zu sein. Nein, das ist mit Sicherheit nicht der richtige Weg. Aber bis der gefunden ist, ist es EIN Weg. Nicht mehr, nicht weniger.

Für heute genug von mir.

Au revoir mes amis...

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