Freitag, 13. August 2010

Jemals - Niemals

"Bleiernde Müdigkeit und die Kopfschmerzen meines Lebens.
Es ist fast ein bisschen witzig, dass so viel passiert oder passiert ist oder passieren wird, was ich nie nie nie erwartet hätte.
Die Irrungen des Schicksals und nicht der Hauch einer Ahnung, ob dahinter irgendein Plan steckt.
Ich verstehe nur die Hälfte der letzten Monate und ich denke dauernd, dass ich das alles vergessen werde, weil es mir irgendwann mal nicht mehr so wichtig erscheint. So vieles, was nicht mehr dasselbe ist, so viel Veränderung und sicher, ob das alles gut ist und richtig, sicher bin ich da nicht. Es ist anders und ich mache mich auf die Suche nach neuen Orientierungspunkten. Und finde bekannte Gesichter und unbekannte Namen und mich selbst in anderen Menschen. Ich habe das Gefühl, wenn ich mir einen Augenblick Zeit nehme und die Dinge aus der Ferne betrachte, ich würde wahrscheinlich dahinter kommen, warum ich mich so anders fühle und warum ich die Dinge so anders sehe. Ich tu es nicht. Aus Angst. Angst davor, dass alles wieder beim alten ist. Davor, dass ich alles verpasse, sobald ich meine Augen für einen Moment schließe.
Das gesamte Leben analysieren zu wollen, weil ich verstehen will wer ich bin und warum ich bin wer ich bin, dieser Wunsch lässt mich nicht los. Also denke ich und denke, doch immer in der Hoffnung irgendwann einmal eine Antwort auf die Fragen zu finden, die mir niemand beantwortet.
Meine Erinnerungen sind ein bisschen verschwommen, konturenlos und ich erinnere mich nicht an so vieles, was so wichtig ist, was mir wichtig war. Ich will mich gerne erinnern. An Alles und Jeden. An die guten Tage. Weil die schlechten immer den größten Platz beanspruchen. Aber vielleicht ist es das, was ich falsch mache im Leben. Ich versuche meine Erinnerungen zusammenzukriegen und habe Bilder im Kopf, von dem was war und ich vergesse doch immer, dass ich kein Bild aus der Vergangenheit bin, sondern hier und jetzt atme. Dass die Menschen um mich herum mehr sind als eine vage Erinnerung und dass sie nicht nur in meinem Gedächtnis, sondern auch in der Gegenwart wahrgenommen werden wollen.
Ich glaube das ist es.
Da sind so viele Menschen, die ich liebe, für das, was sie waren, und noch mehr für das, was sie sind und tun. Das ist keine große Erkenntnis, das ist nichts, das die Welt verändert. Nicht die Welt, aber meine und ich kann doch nicht das große Ganze sehen, wenn ich nicht mal die Grenzen meiner Welt erkennen kann.

Man denkt doch immer, dass es einen Moment im Leben gibt, an dem plötzlich alles klar ist. Der ganze Sinn der eigenen Existenz aufgeklärt und man versteht alles, weil nichts mehr im Nebel liegt, sondern alles bar ist und bloßgelegt. Man wartet doch immer auf diesen einen Augenblick, in dem sich alle verbliebenen Rätsel lösen und sich das Hoffen und Bangen in Luft auflöst. Die Sache ist die...Ich stehe da und halte Ausschau und denke, dass man das doch merken sollte, wenn es Zeit ist und der große Tag gekommen. Vielleicht kommt dieser Tag nie oder vielleicht doch, eines Tages, wer weiß das schon. Aber ich will mein Leben nicht mit dem Warten auf die größten Sekunden meines Lebens verbringen.

Ich denke doch auch immer noch etwas Besonderes zu sein. Und meine Erkenntnisse sind um so vieles besser und bedeutender als die Milliarden anderer Menschen. Das sind sie nicht, denn das, was ich fühle, was du fühlst, was alle fühlen ist im Grunde ein und dasselbe. Nicht immer zu gleichen Zeit, weil das technisch unmöglich wäre, aber doch...Muster, die sich wiederholen. Und ab und an, von Mensch zu Mensch, da wird ein Gefühl ausgelassen oder ein Erlebnis und man führt ein von den anderen verschiedenes Leben und trotzdem. Wenn man es am Ende betrachtet ist die Schnittmenge mit der Masse größer als gedacht. Ich will damit nicht sagen, dass alle Menschen gleich sind oder das Gleich fühlen und denken. Ich will sagen, dass unser Fühlen und Denken zwar das ist, was wir sind, aber nicht das, was uns am Ende ausmacht. Was uns am Ende ausmacht, das sind die Menschen in unserem Leben, das sind die Erlebnisse mit ihnen oder ohne sie, das sind Charaktereigenschaften und Eigenarten, die wir entwickeln. Und im Laufe eines Lebens sind wir nicht besonders, weil wir und andere uns dafür halten, wir sind besonders, weil wir in uns einzigartig sind. Und nach außen hin wie jeder andere.

Ich kann mich vollkommen irren. Diese Möglichkeit auszuschließen wiederum wäre vollkommener Irrsinn. Und dieses Weltbewegende, diese hochphilosophischen Gedanken zeigen doch eigentlich nur, dass ich mich selbst und das Leben als solches zu ernst nehme. Das ist kein Problem, ich glaube nur, dass es mich manchmal davon abhält, das zu tun, was schön ist. Stattdessen tue ich das, was richtig ist und vielleicht ist das einfach ein anderer Weg das Leben zu meistern. Ich könnte mir vornehmen das zu ändern, ich könnte mir ein so großes Ziel setzen, aber was würde mir das bringen? Ernüchterung und irgendwie das Gefühl nicht zu genügen, weil ich das Ziel schließlich doch nicht errreiche. Oder umgekehrt Ernüchterung und das Gefühl nicht zu genügen, weil ich mein Ziel erreicht habe und mir kein neues suche. So oder so ich würde unglücklich enden und das ist es doch, worum es hier eigentlich geht.
Glücklich zu sein. Und nicht zu bereuen, was man tut, getan hat und tun wird. Das ist das, worum es immer geht, in Literatur und Musik und Film und Realität. Es ist das Streben nach Glück, das jeden Menschen irgendwann überfällt.

Ich stelle mir Glück als einen Zustand vor, in dem jeder Gedanke aufhört und es kein "was-wäre-wenn" gibt. In dem ich sein kann und nicht weiter darüber nachdenken muss. Ein Zustand, der mich beim Aufstehen lächeln lässt und ebenso beim Einschlafen. Vollkommenes Glück und die Freude über die kleinen Dinge.

Eine Sache noch...eine zu meisternde Herausforderung. In den guten Augenblicken voll dabei sein und mich für den Moment nicht von der Stimme in meinem Kopf ablenken lassen. Und die Menschen, die am liebsten mag für das schätzen lernen, was sie sind. Nicht für das, was sie waren."

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