Donnerstag, 15. Juli 2010

Was ist wichtiger?

Zu spät eingeschlafen um mal wieder zu früh aufzustehen.
Die Geister der Nacht noch im Nacken ist alles ein bisschen neblig.
Eine Nacht, die nicht unbedingt weitergebracht hat.
Und schon wieder dieses elende Verlangen nach Veränderung.
Sechs Wochen. Eineinhalb Monate.
Und ich finde in meiner Tasche Dinge, die nicht mir gehören und denke an nichts. Oder doch. Mein Tee ist kalt und ich weiß nicht was ich eigentlich mache.
Ich höre Musik. Versuche krampfhaft die Gedanken beiseite zu schieben. Und ein Lied erinnert mich gerade, dass ich mich doch immer noch mit Für und Wider quäle.
Die Augen geschlossen fällt es mir leichter den Worten in meinem Kopf zuzuhören, den Bildern einen Blick zu widmen. Ich würde gerne etwas sagen, aber mir gegenüber sind nur Wand und Wolken.
Am Bahnhof gab es eine große Leuchtreklametafel.
Die Unausweichlichkeit des Augenblicks. Ich will weiter.
Und vielleicht wäre es einfach besser Optimistin zu werden. Die Befürchtung nach den Ferien wieder alles wie gewohnt zu sehen, es fällt mir schwer nicht unglücklich darüber zu sein.
Mit viel Zynismus trete ich in innere Diskussion und bin überrascht, dass beide Seiten gute Argumente haben.
Ich bin eine Antwort schuldig geblieben. Was ist wichtiger?
Nicht was...

Und es ist wieder ein bisschen Hollywood und so realitätsfern, dass ich fast glaube seit Wochen nicht wach gewesen zu sein. Nach unruhigem Schlaf stelle ich nüchtern fest, dass ich zu viel Arbeit bin. Es ist zu anstrengend das bewusst Gewordene auf die Dauer auszublenden.
Vielleicht dramatisiert, aber eigentlich glaube ich das nicht. Es ist ein anderer Weg des Umgangs. Es ist eine andere Art Bedeutung beizumessen.
Das Gefühl mich dauernd entschuldigen zu müssen lässt los und ich merke, dass ich mein Handeln eine ganze Weile aus der Distanz betrachtet habe. Zu kritisch und zu reflektierend bis ich nur noch Nebenrolle war. Was ist wichtiger?
Gedanken, die sich niemand macht und im Glauben leben anders zu sein und dabei schließlich doch in der grauen Masse untergehen.
Ins kalte Wasser springen und Dinge weder ein- noch ausreden, weil es endlich auch irgendwo hingehen soll.

Und die innere Stimme lächelt schweigend und ist schlussendlich erhört worden.
Es war kalt und die Hand auszustrecken war nicht genug.
Neue blaue Flecken und ein bisschen Zukunftsmut. Zeit, um zu einem Ergebnis zu kommen habe ich mir genommen.
Aufhören einzureden und vorzumachen und stumm zu vergessen, was für mich wichtig ist. Es ist pure Ironie..wir lassen Fremde über unser Leben lesen und behalten Geheimnisse vor unseren Liebsten.
Was ist wichtiger?

Ich muss mich ein bisschen konzentrieren. Auf morgen. Auf das was sonst noch kommt. Oder auch nicht. Mich von meinem eigenen Leben auszuschließen war eine schlechte Idee. Genitiv und Dativ zu vertauschen auch. Was ich sagen will: Menschlich. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und nicht zurücknehmen, was ich gesagt, getan oder gefühlt habe. Ich kann das Jetzt ändern. Mehr nicht, aber vielleicht reicht das schon. Und der Boden der Tatsachen ist steinig und unbequem, aber es geht bergauf und nicht im freien Fall auf den Abgrund zu. Ein paar Dinge sind ein bisschen aus den Fugen geraten und aus dem Rahmen gefallen. Nicht wirklich viel, nur genug, um es schwieriger zu machen durchzublicken. Man sollte doch meinen halbwegs intelligente Menschen hätten es leichter ein Leben auf die Reihe zu kriegen. Und möglicherweise ist das tatsächlich so und ich mache es mir unnötig kompliziert.
Ganz sicher sogar, aber das ist schon ok. Und ausnahmsweise meine ich das auch ernst. Kein mechanisches Kopfschütteln auf die Frage Wie es geht, weil ich es besser weiß. Und ich habe Verständnis für fehlendes Verständnis und verwirrte Blicke.

Was ist wichtiger?
Die existentielle Frage meines Lebens. Im Moment... an mich zu denken, vollkommen egoistisch, rauszufinden was ich möchte, was ich will, die morgige Herausforderung zu meistern und meine Versagensangst in dieser und jeder Hinsicht überspringen, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen, einen anderen Blickwinkel finden, einzusehen, dass nichts so bleibt wie es ist, und mich nicht als Gast in meinem eigenen Kopf und Leben zu fühlen.

Ich nehme mir viel vor.
Und springe zur Ausnahme mal ins kalte Wasser.

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